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Geltungszeitraum von: 01.09.2012

Geltungszeitraum bis: 01.06.2014

Ordnung
zur Beauftragung Ehrenamtlicher in der Seelsorge
(SeelsO-Ehrenamt)

Vom 24. Juli 2012

(GVBl. S. 182)

Der Evangelische Oberkirchenrat erlässt folgende Ordnung:
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§ 1
Beauftragung

( 1 ) Seelsorge ist Grundaufgabe und Erkennungsmerkmal von Kirche. Alle Christinnen und Christen sind durch die Taufe beauftragt, ihren Mitmenschen Seelsorgerin und Seelsorger zu sein. Darüber hinaus beauftragt die Kirche einzelne Personen Seelsorge auszuüben. Solche Seelsorge, auch im Ehrenamt, geschieht im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden in vielfältiger Weise. Die näheren Regelungen für die kirchliche Beauftragung ehrenamtlich tätiger Personen im Bereich der Seelsorge durch die Evangelische Landeskirche in Baden ergeben sich, vorbehaltlich anderweitiger Regelungen, aus dieser Ordnung.
( 2 ) Diese Ordnung regelt keinen Seelsorgeauftrag im Sinn des SeelGG.EKD.
( 3 ) Mit der Beauftragung zur ehrenamtlichen Seelsorge ist die beauftragte Person verpflichtet, ihre Tätigkeit an den Grundsätzen und der Ordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden auszurichten, das Seelsorgegeheimnis zu wahren, sowie die sie betreffenden kirchlichen rechtlichen Regelungen der Evangelischen Landeskirche in Baden einzuhalten.
( 4 ) Die Beauftragung zur ehrenamtlichen Seelsorge ist räumlich und gegenständlich zu beschränken. Anzugeben ist das Seelsorgefeld, Ort und Einrichtung sowie die Pfarrstelle, der der Seelsorgeauftrag zugeordnet wird.
( 5 ) Die Beauftragung wird auf vier Jahre befristet. Eine mehrmalige Beauftragung ist möglich.
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§ 2
Personelle Voraussetzungen

( 1 ) Die Beauftragung für ehrenamtliche Seelsorge können Personen erhalten, die erfolgreich an der Qualifizierung (§ 3) teilgenommen haben, sofern der Abschluss der Qualifizierung nicht länger als vier Jahre zurückliegt.
( 2 ) Voraussetzung der Beauftragung ist
  1. die Mitgliedschaft in der Evangelischen Landeskirche in Baden, einer Gliedkirche der EKD oder einer als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) oder dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) angehörenden Kirche,
  2. das positive Votum der Kursleitung der Qualifizierungsmaßnahme (§ 3) über die Eignung der betreffenden Person und
  3. die Zustimmung des örtlich zuständigen Kirchengemeinderates oder Bezirkskirchenrates.
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§ 3
Qualifizierung

( 1 ) 1 Die Qualifizierung Ehrenamtlicher zur Beauftragung im Bereich der Seelsorge umfasst
  1. theologische Grundlagen,
  2. psychologische Grundlagen,
  3. Gesprächsführung,
  4. rechtliche Grundlagen.
2 Über die Ausbildung wird ein Zertifikat erteilt.
( 2 ) 1 Nähere Regelungen zur Qualifizierung werden in Richtlinien des Evangelischen Oberkirchenrates (Qualifizierungsstandards) getroffen. 2 Diese Qualifizierungsstandards enthalten insbesondere Regelungen zu
  1. persönlichen Voraussetzungen zur Teilnahme an der Qualifizierung,
  2. Umfang und konstitutive Bestandteile der Qualifizierung,
  3. Kursleitung,
  4. Zertifizierung und
  5. Kosten.
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§ 4
Verfahren

( 1 ) 1 Die Erteilung einer Beauftragung erfolgt auf schriftlichen Antrag. 2 Dem Antrag sind das Zertifikat über die Ausbildung (§ 3 Abs. 1) sowie die Erklärung zur Verschwiegenheit (§ 5 Abs. 2) beizufügen. 3 Weiterhin ist dem Antrag beizufügen die schriftliche Erklärung der Kursleitung (§ 3 Abs. 2 Nr. 2) zur Eignung der antragstellenden Person.
( 2 ) In dem Antrag sind zu bezeichnen das Seelsorgefeld, der Ort und die Einrichtung, in welcher die Seelsorge geübt wird, sowie die Pfarrstelle, welcher der Seelsorgeauftrag zuzuordnen ist.
( 3 ) 1 Der Antrag wird vom örtlich zuständigen Bezirkskirchenrat oder vom örtlich zuständigen Kirchengemeinderat beim Evangelischen Oberkirchenrat eingereicht, wenn die Gremien mit der Beauftragung der Person einverstanden sind. 2 Die Beauftragung erfolgt durch den Evangelischen Oberkirchenrat. 3 Bestehen hinsichtlich des örtlichen und sachlichen Bereichs des Seelsorgeauftrages Unklarheiten hinsichtlich des zuständigen örtlichen Gremiums, wird dieses auf Bitten der örtlich zuständigen Stellen durch den Evangelischen Oberkirchenrat bestimmt.
( 4 ) Die Aufsicht bzgl. der Tätigkeit im Rahmen dieser Beauftragung führt die Pfarrerin bzw. der Pfarrer, der bzw. dem die Beauftragung zugeordnet wurde.
( 5 ) 1 Die Beauftragung erfolgt in Schriftform. 2 Der beauftragten Person wird eine Urkunde ausgehändigt. 3 Es ist der räumliche und gegenständliche Bereich, innerhalb derer der Seelsorgeauftrag ausgeübt wird, sowie die Pfarrstelle, welcher der Seelsorgeauftrag zugeordnet ist, zu benennen.
( 6 ) Für Wiederbeauftragungen gilt Absatz 3 entsprechend.
( 7 ) 1 Die Beauftragung ist vom Evangelischen Oberkirchenrat zu widerrufen, wenn die Voraussetzungen zur Erteilung nicht vorliegen oder nachträglich entfallen oder wenn die beauftragte Person erheblich gegen die ihr obliegenden Pflichten verstößt. 2 Das örtlich zuständige Gremium bittet in entsprechenden Fällen den Evangelischen Oberkirchenrat um einen Widerruf der Beauftragung.
( 8 ) 1 Auf die Beauftragung kann schriftlich verzichtet werden. 2 Ein Verzicht steht einer erneuten Beauftragung nicht entgegen, soweit die Voraussetzungen für die erneute Beauftragung vorliegen.
( 9 ) 1 Das Ende der Beauftragung ist in Schriftform der beauftragten Person mitzuteilen. 2 Die der beauftragten Person ausgehändigte Urkunde (Absatz 5) ist zurück zu geben oder für ungültig zu erklären. 3 Den bei der Erteilung der Beauftragung zustimmenden Stellen sowie der die Aufsicht führenden Stelle ist das Ende der Beauftragung schriftlich mitzuteilen.
( 10 ) 1 Auf die Erteilung, die Verlängerung oder die Belassung der Beauftragung besteht kein Rechtsanspruch. 2 Ein Rechtsanspruch folgt insbesondere nicht aus der Absolvierung der in § 3 genannten Qualifizierung oder der Erteilung des Qualifizierungszertifikats. 3 Der Widerruf der Beauftragung (Absatz 7) kann rechtlich nicht angefochten werden.
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§ 5
Verpflichtung zur Verschwiegenheit

( 1 ) Die nach dieser Ordnung beauftragten Personen haben, auch nach Beendigung ihrer Beauftragung, über alle Angelegenheiten, die ihnen im Rahmen ihrer Beauftragung anvertraut oder bekannt geworden sind, Verschwiegenheit zu bewahren.
( 2 ) Vor der kirchlichen Beauftragung ist folgende Erklärung zur Verschwiegenheit abzugeben und in schriftlicher Form zu den Akten zu nehmen:
„Ich verpflichte mich, über alles, was mir in Ausübung meiner Tätigkeit in der Seelsorge anvertraut wird, zu schweigen. Diese Verpflichtung besteht auch nach Beendigung meiner Mitarbeit in der Seelsorge fort.“
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§ 6
Fortbildung und Supervision

1 Die beauftragte Person ist verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen sowie an Supervisionen teilzunehmen. 2 In diesem Rahmen werden Praxiserfahrungen und Belastungen reflektiert. 3 Nähere Festlegungen hierzu, einschließlich der Regelung der Kosten trifft der Evangelische Oberkirchenrat. 4 Die beauftragte Person hat die Teilnahme an Fortbildungen auf Aufforderung der die Aufsicht führenden Stelle nachzuweisen.
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§ 7
Übergangsbestimmungen

Bis zum Inkrafttreten dieser Ordnung ausgesprochene Seelsorgeaufträge sind nach den Regelungen dieser Ordnung erneut zu erteilen.
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§ 8
Inkrafttreten

Diese Ordnung tritt am 1. September 2012 in Kraft.
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