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Geltungszeitraum von: 24.09.2012

Geltungszeitraum bis: 01.06.2014

Richtlinien
Standards für die Qualifizierung
ehrenamtlicher MitarbeiterInnen im Seelsorgedienst
der Evangelischen Landeskirche in Baden
(RL-Qualifizierung Seelso-Ehrenamt)

Vom 24. Juli 2012 (GVBl. S. 184)1#

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Der Evangelische Oberkirchenrat erlässt aufgrund § 3 Abs. 2 Seelso-Ehrenamt folgende Richtlinien:
Eine Voraussetzung für eine Beauftragung für den ehrenamtlichen Seelsorgedienst in der Evangelischen Landeskirche in Baden ist die erfolgreiche und vollständige Teilnahme an einem Qualifizierungskurs „Seelsorge als Begleitung“ (§§ 2 Abs. 1, 3 Abs. 2 Ordnung zur Beauftragung Ehrenamtlicher in der Seelsorge - Seelso-Ehrenamt).
Für diese Qualifizierung gelten die folgenden Qualifizierungsstandards:
1
Persönliche Voraussetzungen zur Teilnahme an der Qualifizierung
1.1
Persönliche Voraussetzungen zur Teilnahme an den Qualifizierungskursen sind:
  1. Kommunikations- und Wahrnehmungsfähigkeit,
  2. Motivation für den Kurs,
  3. Motivation für seelsorgliche Arbeit und Fragestellungen,
  4. die Bereitschaft, sich auf Umfang und Anspruch des Kurses einzulassen,
  5. psychische Belastbarkeit sowie
  6. ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten im Hinblick auf:
    1. Fähigkeit zur Selbstreflexion;
    2. Fähigkeit, die Perspektive eines Gegenübers einnehmen zu können;
    3. Fähigkeit, die Grenzen und Bedürfnisse eines Gegenübers zu respektieren;
    4. Fähigkeit zur Selbstabgrenzung;
    5. Bereitschaft, sich auf das Arbeiten in einer Gruppe einzulassen.
1.2
Über die Zulassung zum Kurs entscheidet die Kursleitung und setzt die Bewerberinnen und Bewerber in geeigneter Weise davon in Kenntnis.
1.3
Zu Beginn des Kurses wird mit den Teilnehmenden eine verbindliche Vereinbarung über die Kursdauer, Elemente des Kurses, die regelmäßige Teilnahme und die Verpflichtung zur Verschwiegenheit geschlossen.
2
Umfang und konstitutive Bestandteile der Qualifizierung
2.1
Umfang
Der Kurs umfasst mindestens 90 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten in der geschlossenen Kursgruppe. Die eigene Seelsorgetätigkeit im Rahmen des Praktikums und eigene Seelsorgeerfahrung sind darin nicht enthalten.
2.2
Grundbestandteile
Zum Kurs gehören als grundlegende Bestandteile Elemente der Selbsterfahrung, Theorie, Praxis und Praxisreflexion sowie eigene Seelsorgeerfahrung bei einer Seelsorgerin bzw. einem Seelsorger der eigenen Wahl.
2.2.1
Elemente der Selbsterfahrung
Diese sind integraler Bestandteil des Kurses und orientieren sich an den Themen und Inhalten des Kurses, die in Beziehung gesetzt werden zu eigenen Erfahrungen und der eigenen Lebens- und Glaubensgeschichte.
2.2.2
Theorie
1 Gegenstand der Theorieerarbeitung sind theologische und psychologische Grundlagen sowie rechtliche Basiskenntnisse. 2 Das Erwerben von theologischem Wissen und die Auseinandersetzung mit zentralen theologischen Themen geschehen sowohl auf Theorieebene, als auch induktiv im gesamten theorie- und praxisbezogenen Seelsorgelernen.
3 Dies beinhaltet folgende theologische Themen:
  1. hermeneutische und exegetische Voraussetzungen für ein verantwortliches Verstehen, Auslegen und Umgehen mit biblischen Texten,
  2. Gottesbild(er) und Menschenbild(er),
  3. Theodizee-Frage (die Frage, wie Gott Leid und Böses zulassen kann),
  4. Schuld und Vergebung,
  5. christologische Grundthemen, z. B. Kreuz und Auferstehung und
  6. pneumatologische (die Lehre vom Heiligen Geist betreffende) Grundthemen, z. B. Gnade, Trost, Gemeinschaft.
4 Konstitutive Grundthemen der Seelsorge sind z. B.:
  1. Selbstverständnis und Rolle als Seelsorgerin bzw. Seelsorger,
  2. Auftrag und Aufgabe in der Seelsorge,
  3. Kommunikation und Gesprächsführung,
  4. seelsorgliche Grundhaltungen,
  5. besondere Themen der Seelsorge und
  6. rechtliche Grundlagen der Ausübung von Seelsorge.
5 Darüber hinaus werden Themen der Theologie und der Seelsorge bearbeitet, die sich aus der Seelsorgepraxis der Teilnehmenden sowie den Bedingungen und Erfordernissen vor Ort ergeben.
2.2.3
Praxis und Praxisreflexion
1 Weil das Seelsorgelernen in besonderer Weise durch die praktische Arbeit in einem Seelsorgefeld unterstützt und gefördert wird, sollte die praktische Arbeit und ihre Reflexion nicht zu spät beginnen und ausreichenden Raum innerhalb der Kurszeit einnehmen. 2 Der genaue Beginn der Praktika ist dabei abhängig von den Aufgabenfeldern und den Gegebenheiten vor Ort. 3 Die Praktikumsplätze werden in Absprache mit der Kursleitung ausgewählt.
4 Die praktische Seelsorgetätigkeit umfasst mindestens 15 Seelsorgegespräche im Verlauf des Kurses. 5 Nach Beginn des Praktikums nimmt die Reflexion der dort gemachten Erfahrungen einen ausreichenden Raum innerhalb der Kursarbeit ein.
2.2.4
Eigene Seelsorgeerfahrung
Im Verlauf des Kurses führen die Teilnehmenden mindestens vier Seelsorgegespräche mit einer Seelsorgerin bzw. einem Seelsorger ihrer Wahl.
3.
Kursleitung
1 Die verantwortliche Leitung eines Kurses verfügt über eine anerkannte pastoralpsychologische Qualifikation (DGfP-Supervisor/in, PPF-Absolvent/in, DGSv-Supervisor/in mit theologischem Grundberuf und/oder seelsorglichem Arbeitsschwerpunkt).
2 Die Co-Leitung hat in ihrer eigenen Tätigkeit einen Schwerpunkt in der Seelsorge. 3 Die Kursleitung kann in ökumenischer Trägerschaft wahrgenommen werden. 4 Das Leitungsteam besteht aus Frauen und Männern.
4
Abschluss der Qualifizierung und Zertifizierung
Die Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat über Umfang und Inhalt des Kurses, das von der Kursleitung ausgestellt und unterzeichnet wird, sofern sie die Grundbestandteile des Kurses absolviert und nicht mehr als zehn Prozent der Kurszeit versäumt haben.
5
Nachhaltigkeit
Im Sinne der Nachhaltigkeit haben die Beauftragten das Recht und die Pflicht zur Teilnahme an regelmäßiger Supervision und Fortbildung.
6
Gebührenordnung
Für die durch den Evangelischen Oberkirchenrat bzw. durch Stellen der Landeskirche durchgeführten Qualifizierungen werden Kursgebühren in Höhe von EUR 300,00 erhoben.
7
Inkrafttreten
Diese Richtlinien treten am 1. September 2012 in Kraft.

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1 ↑ Az.: 80/020 (redaktionell)