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Geltungszeitraum von: 06.08.2002

Geltungszeitraum bis: 01.07.2013

Durchführungsbestimmungen
zum kirchlichen Gesetz über den Dienst von
Prädikantinnen und Prädikanten (DB-PrädG)

Vom 6. August 2002

(GVBl. S. 190)

Gemäß § 127 Abs. 2 Nr. 10 Grundordnung erlässt der Evangelische Oberkirchenrat folgende Durchführungsbestimmungen:
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I.

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1. Auswahl und Berufung

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1.1
Auswahl

1 Geeignete Gemeindeglieder für das Amt der Prädikantin bzw. des Prädikanten werden im Allgemeinen durch die für sie zuständigen Kirchengemeinderäte (Ältestenkreise) in Absprache mit der bzw. dem Bezirksbeauftragten dem Bezirkskirchenrat benannt. 2 Erfolgt die Benennung auf anderem Wege, nimmt der Bezirkskirchenrat in Absprache mit der bzw. dem Bezirksbeauftragten Fühlung mit dem zuständigen Kirchengemeinderat (Ältestenkreis) auf.
3 Nach erfolgter Prüfung der Voraussetzungen für die Teilnahme am Grundkurs oder am Aufbaukurs durch die bzw. den Bezirksbeauftragten und einem gemeinsamen Gespräch im Bezirkskirchenrat meldet der Bezirkskirchenrat diese Personen der bzw. dem für die Ausbildung verantwortlichen Landeskirchlichen Beauftragten.
4 Prädikantinnen und Prädikanten in den Gemeinden für Hörgeschädigte und Gehörlose werden nach Ausbildung durch die Landesbeauftragte bzw. den Landesbeauftragten für Hörgeschädigte auf Vorschlag des Beirats (für die Hörgeschädigtenarbeit) vom Landesbischof in den Dienst berufen. 5 Sie nehmen an den Fortbildungen des Landespfarramtes für Hörgeschädigte teil. 6 Die jeweils zuständigen Bezirkskirchenräte werden informiert.
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1.2
Berufung

1 Die Ausbildungskurse schließen mit einem Kolloquium ab. 2 Die zuständigen Bezirkskirchenräte werden über die erfolgreiche Teilnahme an den Kursen unterrichtet und leiten für die Bewerberinnen bzw. Bewerber, deren Teilnahme oder Leistung nicht beanstandet wurde, den im Gesetz vorgesehenen Berufungsvorgang in die Wege.
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1.3
Wiederberufung

1 Vor einer Wiederberufung einer Prädikantin bzw. eines Prädikanten nach Ablauf von 6 Jahren ist der zuständige Ältestenkreis und Bezirkskirchenrat zu hören. 2 Nach Vollendung des 65. Lebensjahres soll eine Wiederberufung nicht mehr erfolgen.
3 Vor einer Wiederberufung legen Prädikantinnen und Prädikanten, die einen Aufbaukurs absolviert haben, eine Predigt bei der bzw. dem Landeskirchlichen Beauftragten vor. 4 Prädikantinnen und Prädikanten, die einen Grundkurs absolviert haben, halten in Anwesenheit der zuständigen Dekanin bzw. des zuständigen Dekans oder der bzw. des Bezirksbeauftragten oder eines Mitgliedes des Bezirkskirchenrates einen Gottesdienst mit Predigt. 5 Im Zweifelsfall sollen Wiederberufungen von der Teilnahme an einem Fortbildungskurs der bzw. des Landeskirchlichen Beauftragten abhängig gemacht werden.
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2. Einführung

1 Werden Prädikantinnen und Prädikanten mit einem Grundkursabschluss zu Prädikantinnen und Prädikanten mit einem Aufbaukursabschluss bestellt, so kann auf eine neuerliche Einführung in einem Gemeindegottesdienst verzichtet werden. 2 In diesem Falle überreicht die Dekanin bzw. der Dekan die Berufungsurkunde in anderer geeigneter Weise.
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3. Amtstracht und Agenden

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3.1
Amtstracht

1 Prädikantinnen und Prädikanten sind berechtigt, die für die Pfarrerinnen und Pfarrer vorgeschriebene Amtstracht zu tragen. 2 Tun sie dies nicht, ist eine dem gottesdienstlichen Handeln angemessene Kleidung erforderlich.
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3.2
Agenden

1 Der Bezirkskirchenrat stellt den Prädikantinnen und Prädikanten des Kirchenbezirks für die Dauer ihrer Berufung die Agenden zur Verfügung. 2 Er regelt auch die Bücherbeschaffung für Prädikantinnen und Prädikanten und stellt dafür Mittel in den Haushaltsplan ein.
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4. Einsatz und Statistik

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4.1
Einsatz

1 Aus Verantwortung für die freiwillige Mitarbeit soll den Prädikantinnen und Prädikanten für die Vorbereitung ihrer Dienste eine angemessene Zeit zugestanden werden.
2 Prädikantinnen und Prädikanten mit einem Aufbaukurs sollen im Jahr möglichst nicht mehr als zwölf, aber auch nicht weniger als vier verschiedene Predigten ausarbeiten.
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4.2
Dienstplan

1 Aufgabe der Dekanin bzw. des Dekans oder der bzw. des Bezirksbeauftagten ist es, die Bereitschaft der Prädikantinnen und Prädikanten auch zu nutzen. 2 Um einen verantwortbaren Einsatz zu gewährleisten, werden in gemeinsamer Absprache durch die Dekanin bzw. den Dekan oder die bzw. den Bezirksbeauftragten langfristige Dienstpläne aufgestellt. 3 In diesen sind die predigtfreien Sonntage und Urlaubszeiten der Pfarrerinnen und Pfarrer ebenso zu berücksichtigen wie ein möglichst gleichmäßiger Einsatz der einzelnen Prädikantinnen und Prädikanten. 4 Auf diese Weise kann weitgehend vermieden werden, dass bei kurzfristig auftretenden Vertretungsfällen Prädikantinnen und Prädikanten überfordert werden.
5 Bei Ausarbeitung der Dienstpläne können benachbarte Kirchenbezirke zusammenarbeiten, wobei die Diensteinsätze von der Dekanin bzw. dem Dekan (der bzw. dem Bezirksbeauftragten) des Heimatbezirks zu überprüfen sind, um eine Überbeanspruchung der Prädikantinnen und Prädikanten zu verhindern.
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4.3
Statistik

1 Jeweils am Ende eines jeden Jahres legt die Dekanin bzw. der Dekan oder die bzw. der Bezirksbeauftragte einen Bericht über den Einsatz der Prädikantinnen und Prädikanten im Kirchenbezirk während des vergangenen Jahres sowie über deren Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen auf Bezirksebene der bzw. dem Landeskirchliche Beauftragten vor.
2 Für Zwecke der Statistik beantworten Prädikantinnen und Prädikanten jährlich eine Anfrage der bzw. des Landeskirchliche Beauftragten, die über die bzw. den Bezirksbeauftragten vorgelegt wird.
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5. Aus- und Fortbildung

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5.1
Ausbildung

1 Die bzw. der Landeskirchliche Beauftragte ist mit dem Ausschuss für die Prädikantenarbeit dafür verantwortlich, dass die inhaltliche Gestaltung der Kurse zielorientiert ist. Prädikantinnen und Prädikanten im Grundkurs werden unterwiesen in der Handhabung der Agende, im rechten liturgischen Verhalten sowie der nötigen Beachtung erforderlicher Sprechtechnik. 2 Hinzu kommt die Einführung in das Wesen der Liturgie und die Einübung in die Liturgie der Kasualgottesdienste sowie eine Einführung in die Homiletik und die Bearbeitung einer Lesepredigt. 3 Schließlich erfolgt eine Einführung in die Bekenntnisschriften der Evangelischen Landeskirche in Baden.
4 Bei der Ausbildung der Prädikantinnen und Prädikanten im Aufbaukurs steht im Vordergrund die Einübung in die stufenmäßige Erarbeitung eines Bibeltextes und die Fertigstellung einer Predigt. 5 Voraussetzung der Zulassung zu einem Aufbaukurs ist in der Regel der Besuch von sechs Fortbildungsveranstaltungen des Prädikantendienstes.
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5.2
Fortbildung

1 Da die Ausbildung von Prädikantinnen und Prädikanten im Hinblick auf ihre berufliche Tätigkeit nur kurz und sehr konzentriert erfolgen kann, bietet die bzw. der Landeskirchliche Beauftragte, die Region oder der Kirchenbezirk Fortbildungsmaßnahmen an (z.B. Sprechkurse, Informationen, theologisch-homiletische Arbeitsgemeinschaften, allgemeine theologische Fortbildung). 2 Die Prädikantinnen und Prädikanten sollen während der Zeit ihrer Beauftragung von Angeboten zur Fortbildung Gebrauch machen.
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5.3
Geschwisterliche Hilfe

1 Ungeachtet dieser von Landeskirche und Kirchenbezirk angebotenen Hilfe zur Fortbildung sollen Prädikantinnen und Prädikanten ihren Dienst nicht völlig auf sich gestellt versehen. 2 Bei der Ausübung ihres Dienstes brauchen alle Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst geschwisterliche Hilfe und Korrektur. 3 Pfarrerinnen und Pfarrer und Prädikantinnen und Prädikanten schulden sich gegenseitig einen solchen Dienst. 4 Die Dekanin bzw. der Dekan oder die bzw. der Bezirksbeauftragte soll sich deshalb bemühen, regelmäßige Zusammenkünfte zu veranstalten und Prädikantinnen und Prädikanten auch zu Pfarrkonventen einzuladen.
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6. Aufwandsentschädigung und Versicherungsschutz

1 Die Prädikantinnen und Prädikanten versehen ihren Dienst ehrenamtlich. 2 Sie erhalten hierfür eine angemessene Aufwandsentschädigung (inkl. Fahrtkostenersatz). 3 Während ihres Dienstes, einschließlich der Hin- und Rückfahrt, sowie bei Teilnahmen an Rüstzeiten genießen sie Versicherungsschutz. 4 Bei Sachschäden, die sie selbst zu tragen haben, kann entsprechend den für die Dienstunfallfürsorge für Pfarrerinnen und Pfarrer geltenden Bestimmungen von der Landeskirche Ersatz geleistet werden.
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7. Ältestenkreis und Bezirksvisitation

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7.1
Ältestenkreis

1 Prädikantinnen und Prädikanten müssen gemäß § 8 des Prädikantengesetzes zu den Sitzungen des Kirchengemeinderats bzw. Ältestenkreises eingeladen werden, wenn über Gegenstände verhandelt wird, die ihren Dienst betreffen. 2 Sie können in der Verantwortung für ihren Dienst der Verkündigung Anträge stellen und diese im Ältestenkreis bzw. Kirchengemeinderat selber vertreten.
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7.2
Bezirksvisitation

1 Prädikantinnen und Prädikanten sind in die Bezirksvisitation einzubeziehen. 2 Die Prädikantinnen und Prädikanten legen dabei einen Bericht und einen Gottesdienstentwurf mit Predigt sowie eine Kasualansprache vor.
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II.

Diese Durchführungsbestimmungen treten am 6. August 2002 in Kraft. Gleichzeitig treten die Durchführungsbestimmungen vom 20. Dezember 1979 (GVBl. 1980 S. 5) außer Kraft.