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Geltungszeitraum von: 01.08.1993

Geltungszeitraum bis: 01.08.2012

Ordnung
der Erwachsenenbildung in der
Evangelischen Landeskirche in Baden

Vom 15. Juni 1993

(GVBl. S. 85)

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Präambel

Die Aufgabe der Bildungsarbeit mit Erwachsenen ist in der evangelischen Kirche seit langem erkannt. Der steigenden Bedeutung der Bildung in der Gesellschaft trägt sie durch den Ausbau der »Erwachsenenbildung« in einer institutionellen Form Rechnung. Durch sie nimmt die evangelische Kirche zugleich ihre Verantwortung für die Bildung als gesellschaftliche Aufgabe wahr; sie versteht sich als eine besondere Ausprägung der öffentlichen Verantwortung, die in ihrem Auftrag gründet.
Erwachsenenbildung hat teil am Auftrag der Kirche, »das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen« und »zum Dienst in der Gemeinde und in der Welt« zu ermutigen (§ 44 Abs. 1 GO).
Auf der Grundlage dieser Präambel wird gemäß § 127 Abs. 2 Nr. 10 der Grundordnung vom Evangelischen Oberkirchenrat folgende Ordnung für die Erwachsenenbildung in der Evangelischen Landeskirche in Baden erlassen:
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1. Erwachsenenbildung in der Gemeinde

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§ 1
Bildungsarbeit als Auftrag der Gemeinde

( 1 ) Bildungsarbeit mit Erwachsenen gehört zu den Aufgaben jeder Gemeinde. Sie umfaßt Veranstaltungen unterschiedlicher Thematik und geschieht in der Form von Seminaren, Kursen, Tagungen, zeitlich befristeten Gesprächskreisen und besonderen Projekten.
( 2 ) Bildungsarbeit mit Erwachsenen geschieht auch in festen Gruppen und Kreisen, z.B. Frauen- und Männerkreisen, Gruppen der Evangelischen Arbeitnehmerschaft, Arbeitskreisen des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande.
( 3 ) 1 Die Gemeinden und ihre Gruppen werden in ihrer Arbeit von den zuständigen Bezirks- bzw. Regionalstellen der Erwachsenenbildung (§ 4) unterstützt. 2 Sie nehmen die Bezirks- bzw. Regionalstellen der Erwachsenenbildung in Anspruch, indem sie z.B. Kooperationen vereinbaren und auf deren Fortbildungs- und Veranstaltungsangebote hinweisen, und fördern so deren Arbeit.
( 4 ) Nach Möglichkeit soll in der Pfarrgemeinde ein Mitglied des Ältestenkreises oder ein von ihm beauftragtes Gemeindeglied die Belange gemeindlicher Bildungsarbeit mit Erwachsenen vertreten.
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2. Erwachsenenbildung im Kirchenbezirk

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§ 2
Bildungsarbeit als Aufgabe des Kirchenbezirks

( 1 ) Der Kirchenbezirk hat die Aufgabe, die Entwicklung der Bildungsarbeit mit Erwachsenen in den Gemeinden und Gruppen zu fördern und Bildungsarbeit mit Erwachsenen in der Region wahrzunehmen.
( 2 ) 1 Für einen oder mehrere Kirchenbezirke werden auf der Grundlage von § 76 Satz 4 GO Einrichtungen Evangelischer Erwachsenenbildung geschaffen.
2 Mitglieder dieser Einrichtungen sind die Gemeinden des Kirchenbezirks bzw. der Kirchenbezirke und die an der Bildungsarbeit mit Erwachsenen beteiligten Gruppen und Dienste.
( 3 ) Die bezirklichen bzw. regionalen Einrichtungen der Erwachsenenbildung sind Einrichtungen der Weiterbildung im Sinne des »Gesetzes zur Förderung der Weiterbildung und des Bibliothekswesens in der Fassung vom 20. März 1980« des Landes Baden-Württemberg.
( 4 ) Institutioneller Kern dieser Einrichtungen sind
  1. der Leitungskreis Erwachsenenbildung (§ 3),
  2. die Bezirks- bzw. Regionalstelle der Erwachsenenbildung (§ 4).
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§ 3
Leitungskreis Erwachsenenbildung

( 1 ) 1 Der Leitungskreis nimmt die Verantwortung des Kirchenbezirks bzw. der Kirchenbezirke für den Aufgabenbereich Erwachsenenbildung wahr. 2 Er vertritt sie gegenüber anderen Trägern der Weiterbildung und den kommunalen Verwaltungsstellen sowie in der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden (EAEB). 3 Die Außenvertretung ist ihm nur insoweit übertragen, als dem keine übergeordneten Bestimmungen entgegenstehen.
( 2 ) 1 Die Zusammensetzung des Leitungskreises und die Dauer seiner Amtszeit werden durch eine von den jeweiligen Bezirkssynoden zu erlassende Satzung geregelt. 2 Diese hat zu gewährleisten, daß das verantwortliche Leitungsorgan des Kirchenbezirks, der Bezirkskirchenrat und die in dem Kirchenbezirk bzw. den Kirchenbezirken tätigen Dienste personell angemessen vertreten sind.
3 Dem Leitungskreis gehören an:
  1. Mitglieder der Bezirkskirchenräte,
  2. der/die Bezirksbeauftragte für Erwachsenenbildung,
  3. Vertreterinnen und/oder Vertreter der nach ihren eigenen Ordnungen gebildeten Bezirksorgane der Frauen- und der Männerarbeit,
  4. gegebenenfalls Vertreterinnen und/oder Vertreter von weiteren im Kirchenbezirk bzw. in den Kirchenbezirken in der Bildungsarbeit mit Erwachsenen tätigen Diensten.
4 Der Leiter bzw. die Leiterin der Bezirks- oder Regionalstelle gehört dem Leitungskreis kraft Amtes an.
( 3 ) Der Leitungskreis hat die Aufgabe, die Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenbildung und den anderen mit Bildungsarbeit mit Erwachsenen befaßten Diensten zu gewährleisten und dafür zu sorgen, daß die Bildungsarbeit mit Erwachsenen die an sie gestellten Herausforderungen annimmt.
( 4 ) Zur Verantwortung des Leitungskreises gehören insbesondere
  1. die Planung von Schwerpunkten und Projekten,
  2. die Beratung der Veranstaltungsprogramme,
  3. die Regelung von Finanzierungsfragen, die Aufstellung des Entwurfs des Haushaltsplans der Regional- bzw. Bezirksstelle sowie die Überwachung seines Vollzugs und die Beratung der für den Beschluß des Haushaltsplans zuständigen Gremien,
  4. die Beschaffung geeigneter Räume (Dienst- und Veranstaltungsräume).
( 5 ) Der Leitungskreis delegiert Vertreterinnen und/oder Vertreter in den Konvent der Bezirksdienste bzw. den Dekanatsbeirat (§§ 99 bzw. 100 GO), soweit dessen Vertretung nicht ohnehin gesichert ist.
( 6 ) Die Satzung kann die Bildung eines Beirats oder von Arbeitskreisen vorsehen, welche die inhaltliche Arbeit der Bezirks- oder Regionalstelle begleiten.
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§ 4
Die Bezirks- bzw. Regionalstellen der Erwachsenenbildung

( 1 ) Für einen oder mehrere Kirchenbezirke wird jeweils eine Bezirks- oder Regionalstelle als Arbeitsstelle der Erwachsenenbildung geschaffen.
( 2 ) 1 Der Leiter bzw. die Leiterin der Arbeitsstelle steht im Dienst der Landeskirche und wird vom Landesbischof berufen. 2 Dieser setzt sich dazu mit den Bezirkskirchenräten oder, sofern er von diesen dazu ermächtigt worden ist, mit dem Leitungskreis ins Benehmen; entscheiden die Bezirkskirchenräte selbst, so haben sie sich mit dem Leitungskreis ins Benehmen zu setzen. 3 Die Bestimmungen des Pfarrstellenbesetzungsgesetzes bleiben unberührt.
( 3 ) 1 Die Dienstaufsicht über die Arbeitsstellen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führt der Dekan bzw. die Dekanin, in dessen bzw. deren Dienstbereich die Bezirks- oder Regionalstelle ihren Sitz hat. 2 Sie kann einem anderen Mitglied des Bezirkskirchenrats oder einem bzw. einer Bezirksbeauftragten für Erwachsenenbildung übertragen werden, sofern er bzw. sie in einem Dienstverhältnis zur Landeskirche steht. 3 Die Fachaufsicht wird vom Evangelischen Oberkirchenrat über die Landesstelle für Evangelische Erwachsenenbildung wahrgenommen.
( 4 ) Der Bezirks- bzw. Regionalstelle kann – im Benehmen mit dem Leitungskreis Erwachsenenbildung – die Geschäftsführung des Konvents der Bezirksdienste oder des Dekanatsbeirats (§§ 99, 100 GO) übertragen werden, einer Regionalstelle jedoch nur für den Konvent bzw. Dekanatsbeirat des Bezirks, in dem sie ihren Sitz hat.
( 5 ) 1 Die Bezirks- bzw. Regionalstelle hat die Aufgabe einer theologisch-pädagogischen Arbeitsstelle.
2 Im einzelnen sind ihre Aufgaben:
  1. Fortbildung der in der Bildungsarbeit mit Erwachsenen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Region,
  2. Mitarbeit bei der Planung und Durchführung von Bildungsveranstaltungen in den Gemeinden,
  3. Vorbereitung, Planung und Durchführung von Veranstaltungen in der Region,
  4. Vermittlung und gegebenenfalls Ausarbeitung von Arbeitsmaterialien,
  5. Zusammenarbeit mit anderen Trägern der Weiterbildung,
  6. Vermittlung von Zuschüssen,
  7. Vertretung der Einrichtung gegenüber offiziellen Stellen.
( 6 ) 1 Der Leiter bzw. die Leiterin der Bezirks- oder Regionalstelle führt die Geschäfte der Einrichtung Evangelischer Erwachsenenbildung (Leitungskreis und Arbeitsstelle). 2 Er bzw. sie vertritt sie in der Öffentlichkeit, sofern sich der Leitungskreis diese Vertretung nicht vorbehält.
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3. Erwachsenenbildung auf der Ebene der Landeskirche

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§ 5
Bildungsarbeit als Aufgabe der Landeskirche

( 1 ) 1 Die Landeskirche hat die Aufgabe, die Bildungsarbeit mit Erwachsenen weiterzuentwickeln und zu fördern und sie innen- wie außenkirchlich zu vertreten.
2 Zu ihren Aufgaben gehören insbesondere
  1. die Kirchenälteste an Konzepten evangelischer Bildungsarbeit mit Erwachsenen,
  2. die Beteiligung an der bildungspolitischen Diskussion,
  3. die Förderung der Einrichtungen der Erwachsenenbildung.
( 2 ) Der Erfüllung dieser Aufgaben dienen
  1. die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden (EAEB) (§ 6),
  2. die Landesstelle für Evangelische Erwachsenenbildung (§ 7).
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§ 6
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden (EAEB)

( 1 ) 1 In der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden (EAEB) sind die bezirklichen bzw. regionalen Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung zusammengeschlossen. 2 Ihr gehören auch die sonstigen mit Bildungsarbeit mit Erwachsenen befaßten Einrichtungen der Landeskirche an.
3 Sie wird konstituiert durch
  1. die Mitgliederversammlung,
  2. den Vorstand.
( 2 ) 1 Die Mitgliederversammlung wird aus je zwei Delegierten der Einrichtungen auf Bezirks- bzw. Regionalebene gebildet. 2 Von diesen darf jeweils höchstens ein Mitglied haupt- oder nebenberufliche(r) Mitarbeiterin oder Mitarbeiter in einer Einrichtung der Erwachsenenbildung sein.
( 3 ) Die Kooptierung weiterer Mitglieder ist möglich.
( 4 ) 1 Die Mitgliederversammlung tritt mindestens einmal im Jahr zusammen.
2 Ihre Aufgaben sind
  1. Beratung und Beschlußfassung in grundsätzlichen und konzeptionellen Fragen der Erwachsenenbildung,
  2. Empfehlung von Programmschwerpunkten sowie die Anregung und Genehmigung von Projekten,
  3. Beratung und Beschlußfassung über Zuschußregelungen und die Finanzierung von Projekten,
  4. politische Vertretungen der Erwachsenenbildung der Evangelischen Landeskirche in Baden, soweit diese nicht anders geregelt ist,
  5. Vertretung in der Mitgliederversammlung der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE) und Mitarbeit in deren Arbeitsausschüssen.
( 5 ) 1 Die Mitgliederversammlung kann Fachausschüsse mit speziellen Aufträgen einsetzen (z.B. Eltern- und Familienbildung, Bildungsarbeit mit älteren Menschen, Mitarbeiterfortbildung). 2 Diese können fachkundige Personen, insbesondere aus anderen mit Bildungsarbeit mit Erwachsenen befaßten Einrichtungen der Landeskirche kooptieren.
( 6 ) 1 Die Mitgliederversammlung wählt aus ihrer Mitte auf drei Jahre einen Vorstand. 2 Er besteht aus dem bzw. der Vorsitzenden, einem bzw. einer stellvertretenden Vorsitzenden und drei weiteren Mitgliedern. 3 Ein Vorstandsmitglied soll der Gruppe der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Mitgliederversammlung angehören. 4 Wiederwahl ist möglich.
( 7 ) 1 Der Vorstand ist für die laufenden Geschäfte der EAEB verantwortlich. 2 Er bereitet die Mitgliederversammlungen vor und vollzieht deren Beschlüsse.
( 8 ) Der zuständige Referent bzw. die zuständige Referentin des Evangelischen Oberkirchenrats gehört der Mitgliederversammlung und dem Vorstand kraft Amtes an und vertritt in ihnen auch die sonstigen mit Bildungsarbeit mit Erwachsenen befaßten Einrichtungen der Landeskirche.
( 9 ) Die Leiter bzw. die Leiterin der Landesstelle (§ 7) gehört dem Vorstand und der Mitgliederversammlung kraft Amtes an.
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§ 7
Landesstelle für Evangelische Erwachsenenbildung

( 1 ) Die Landesstelle für Evangelische Erwachsenenbildung hat vor allem folgende Aufgaben:
  1. Entwicklung und Fortschreibung erwachsenenbildnerischer Konzeptionen in Aufnahme der wissenschaftlichen Diskussion und im Gespräch mit den anderen Arbeitsbereichen, in denen Bildungsarbeit mit Erwachsenen geschieht,
  2. Beratung und Unterstützung der bezirklichen bzw. regionalen Einrichtungen in bildungspolitischen und konzeptionellen Fragen,
  3. Aus- und Fortbildung von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über den regionalen Rahmen hinausgeht, insbesondere in breiter angelegten, grundlegenden und innovatorischen Angeboten,
  4. Erarbeitung und Vermittlung von Arbeitsmaterialien,
  5. Verwaltung von Zuschüssen und Erstellung von Versendungsnachweisen,
  6. Leitung des Konvents der Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner,
  7. Fachaufsicht über die hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirks- bzw. Regionalstellen.
( 2 ) Die Landesstelle führt die Geschäfte der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden (EAEB).
( 3 ) 1 Der Leiter bzw. die Leiterin ist Inhaber bzw. Inhaberin eines landeskirchlichen Pfarramts. 2 Die Berufung erfolgt nach dem Pfarrstellenbesetzungsgesetz im Benehmen mit dem Vorstand der EAEB.
( 4 ) 1 Die Landesstelle ist organisatorisch in das zuständige Referat des Evangelischen Oberkirchenrats eingegliedert. 2 Sie wird durch ihren Leiter bzw. ihre Leiterin vertreten.
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4. Finanzen

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§ 8

Die Haushaltsmittel für Erwachsenenbildung werden in den kirchlichen Haushaltsplänen entsprechend den haushaltsrechtlichen Bestimmungen für die Evangelische Landeskirche in Baden auf allen Ebenen in Einnahme und Ausgabe als eigene Positionen veranschlagt.
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5. Inkrafttreten, Übergangsbestimmungen

( 1 ) 1 Diese Ordnung tritt am 1. August 1993 in Kraft. 2 Gleichzeitig tritt die Ordnung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden vom 4. Dezember 1979 (GVBl. 1980 S. 15) außer Kraft, desg leichen die Bekanntmachung »Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung« vom 11. Januar 1968 (GVBl. S. 20).
( 2 ) 1 Bis zum Inkrafttreten der von den Bezirkssynoden zu erlassenden und vom Evangelischen Oberkirchenrat zu genehmigenden Satzungen gelten in den Kirchenbezirken bzw. Regionen die bisherigen Ordnungen weiter. 2 Dieses gilt auch für die Kompetenzen der nach diesen Ordnungen gebildeten Leitungskreise.