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Geltungszeitraum von: 01.10.2001

Geltungszeitraum bis: 31.03.2012

Durchführungsbestimmungen
zum kirchlichen Gesetz über den Dienst des Pfarrvikars

Vom 3. Juli 2001(GVBl. S. 176), zuletzt geändert am 12. Juni 2007 (GVBl. S. 115)1#

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I.

Der Evangelische Oberkirchenrat erlässt gemäß § 127 Abs. 2 Nr. 10 der Grundordnung folgende Durchführungsbestimmungen zu § 1 des kirchlichen Gesetzes über den Dienst des Pfarrvikars, zuletzt geändert am 20. April 1996 (GVBl. S. 66):
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1. Allgemeines

1.1
Die Übernahme von Kandidatinnen und Kandidaten der Theologie in den Probedienst als Pfarrvikarinnen und Pfarrvikare erfolgt halbjährlich nach bestandener II. Theologischer Prüfung.
1.2
1 Der Evangelische Oberkirchenrat trifft im Rahmen seiner Personalplanung und nach Maßgabe des Stellenplans die Übernahmeentscheidung. 2 Dabei kann er die Besetzung eines angemessenen Teils freier Stellen zu einem späteren Einstellungstermin vorsehen, insbesondere wenn dies zur Erzielung von vergleichbaren Anstellungschancen für die im Lehrvikariat befindlichen Ausbildungsgruppen erforderlich scheint. 2#
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2. Übernahmeentscheidung

2.1
Der Evangelische Oberkirchenrat entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen über den Antrag einer Bewerberin oder eines Bewerbers auf Übernahme in das Pfarrvikariat (§ 1 Pfarrvikarsgesetz).
2.2
Der Evangelische Oberkirchenrat richtet sich bei seiner Entscheidung nach einem Punktesystem, das die Ergebnisse der beiden Theologischen Prüfungen und das Votum einer Kommission einbezieht.
2.3
1 Die Bewerberinnen und Bewerber werden in der Rangfolge der erreichten Gesamtpunktezahl übernommen, es sei denn, der Evangelische Oberkirchenrat trifft eine abweichende Entscheidung. 2 Wird im Übernahmeverfahren eine Gesamtpunktezahl von 4 Punkten erreicht und führt diese zu einer Übernahme in das Pfarrvikariat, erfolgt diese zunächst im Arbeitsverhältnis. 3 Werden im Übernahmeverfahren weniger als 4 Punkte erreicht, wird die Bewerberin bzw. der Bewerber unabhängig von den Examensnoten und der insgesamt erreichten Gesamtpunktezahl nicht in das Pfarrvikariat übernommen.3#
2.4
1 Der Evangelische Oberkirchenrat kann von der Rangfolge bei annähernd gleicher Gesamtpunktzahl mehrerer Bewerberinnen oder Bewerber abweichen, wenn besondere Umstände insbesondere sozialer Art (z.B. Lebensalter und Familienstand) vorliegen. 2 Bei der Vergabe von weniger als vier Punkten muss die Kommission ihre Entscheidung schriftlich begründen; der Evangelische Oberkirchenrat entscheidet über die Übernahme in diesen Fällen unabhängig von der erreichten Gesamtpunktzahl.
2.5
Der Evangelische Oberkirchenrat trifft die Übernahmeentscheidung unverzüglich nach Abschluss der Gespräche der Kommission mit allen Bewerberinnen und Bewerbern.
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3. Punktesystem

3.1
Die für die Übernahme in das Lehrvikariat maßgebende Gesamtnote der I. Theologischen Prüfung und die Gesamtnote der II. Theologischen Prüfung werden im Verhältnis 1:2 zu einer kombinierten Gesamtprüfungsnote addiert.
3.2
Der Gesamtprüfungsnote werden folgende Punkte zugeordnet:
Durchschnitt
Examensnoten
Punkte
1,00
20
1,01 – 1,25
19
1,26 – 1,50
18
1,51 – 1,75
17
1,76 – 2,00
16
2,01 – 2,25
15
2,26 – 2,50
14
2,51 – 2,75
13
2,76 – 3,00
12
3,01 – 3,25
11
3,26 – 3,50
10
3,51 – 3,75
  9
3,76 – 4,00
  8.
3.3
1 Die Kommission kann der Bewerberin bzw. dem Bewerber bis zu 10 Punkte erteilen. 2 Dabei werden fünf Bewertungskategorien gebildet, denen folgende Punkte zugeordnet werden:
10 und 9
besonders gut geeignet
8 und 7
gut geeignet
6 und 5
geeignet
4
gerade noch geeignet
3 bis 0
nicht geeignet.
3 Die von den Kommissionsmitgliedern vergebenen Punkte werden zur Bildung der Endpunktezahl addiert und dabei kaufmännisch gerundet.
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4. Kommission4#

4.1
1 Die Kommission setzt sich aus Mitgliedern der Gesamtkommission zusammen. 2 Der Gesamtkommission gehören aus dem Evangelischen Oberkirchenrat die Personalreferentin bzw. der Personalreferent, alle Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter im Personalreferat sowie die juristische Mitarbeiterin bzw. der juristische Mitarbeiter, die bzw. der für das Dienstrecht zuständig ist, an. 3 Die übrigen Mitglieder der Gesamtkommission werden vom Evangelischen Oberkirchenrat für die Dauer von sechs Jahren berufen, ihre Wiederberufung ist möglich. 4 In der Regel werden für ein Übernahmeverfahren aus den Mitgliedern der Gesamtkommission zwei Einzelkommissionen gebildet. 5 Ihnen gehören jeweils an:
  1. eine erfahrene Theologin bzw. ein erfahrener Theologe (z.B. Pfarrerin bzw. Pfarrer oder Dekanin bzw. Dekan),
  2. ein erfahrenes Gemeindeglied (z.B. Mitglied der Landessynode),
  3. die Personalreferentin bzw. der Personalreferent oder eine Abteilungsleiterin bzw. ein Abteilungsleiter im Personalreferat des Evangelischen Oberkirchenrats,
  4. eine juristische Mitarbeiterin bzw. ein juristischer Mitarbeiter des Evangelischen Oberkirchenrats oder ein weiteres erfahrenes Gemeindeglied (z.B. Mitglied der Landessynode).
6 Mindestens ein Mitglied jeder Einzelkommission soll eine Frau sein.
4.2
Die Einzelkommissionen gliedern sich in Personen, die gesprächsführende und beobachtende Aufgaben übernehmen.
4.3
Zwischen einer Bewerberin bzw. einem Bewerber und einem Kommissionsmitglied sollen keine verwandtschaftlichen oder besonderen persönlichen Beziehungen bestehen.
4.4
Alle Mitglieder der Gesamtkommission müssen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit und für die Dauer ihrer Mitgliedschaft in der Gesamtkommission Schulungen durchlaufen, mit denen sie für die Aufgabe der Personalauswahl besonders qualifiziert werden.
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5. Verfahren

5.1
Die Kommission bildet ihr Urteil über die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber für den Pfarrdienst durch ein strukturiertes Übernahmegespräch (Interview), einen Redebeitrag zur Gesprächseröffnung in einem Gremium und eine Aufgabe zur Strukturierung eines Arbeitstages.
5.2
Den Mitgliedern der Kommission liegen folgende Unterlagen vor:
  1. eine Namensliste mit den persönlichen Daten der Bewerberinnen und Bewerber,
  2. eine Darstellung der Bewerberinnen und Bewerber über ihren Lebens- und Bildungsgang mit Lichtbild,
  3. die Ergebnisse der I. und II. Theologischen Prüfung,
  4. gegebenenfalls Angaben zu besonderen persönlichen Lebensumständen.
5.3
1 Die Kommission berät über jede Bewerberin und jeden Bewerber. 2 Die jeweiligen Beobachterinnen und Beobachter bewerten unabhängig voneinander. 3 Die Punkte werden zusammengezählt und durch die Anzahl der Bewertenden geteilt. 4 Jede bzw. jeder Bewertende kann ihre bzw. seine Einzelbewertung bis zum Abschluss aller Gespräche ändern. 5 Die Punktezahl, die für die Bewerberinnen bzw. Bewerber von der jeweiligen Kommission vergeben werden, ergibt sich aus dem Durchschnitt der in den drei Abschnitten jeweils erreichten Punktzahl.
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6. Wiederbewerbungen

6.1
1 Wiederbewerbungen sind möglich. 2 Wiederbewerberinnen und Wiederbewerber können innerhalb von einem Jahr nach der ersten Teilnahme am Übernahmeverfahren den Antrag stellen, mit der im Verfahren bereits erworbenen Punktezahl in die Übernahmeentscheidung einbezogen zu werden. 3 Nach Ablauf eines Jahres nehmen sie erneut an dem Verfahren teil. 4 Wiederbewerberinnen und Wiederbewerber, die einen Antrag nach Satz 2 nicht stellen, nehmen am Übernahmeverfahren teil.
6.2
Anträge von Wiederbewerberinnen und Wiederbewerbern, die sich dreimal erfolglos beworben haben, sind ausgeschlossen.
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7. Schweigepflicht

Für die Schweigepflicht der Kommissionsmitglieder gilt § 139 der Grundordnung.
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II. Inkrafttreten

  1. Diese Durchführungsbestimmungen treten am 1. Oktober 2001 in Kraft.
  2. Die Verordnung zur Durchführung von § 1 des kirchlichen Gesetzes über den Dienst des Pfarrvikars in der Fassung vom 25. Februar 2000 (GVBl. S. 55) tritt außer Kraft.

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1 ↑ Gemäß GVBl. Nr. 6/2012 S. 116 mit Wirkung vom 31. März 2012 außer Kraft.
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4 ↑ Nrn. 4.1 bis 4.4 Wortlaut gem. GVBl. Nr. 8/2007 S. 115.